Unsere Arbeit an Frankfurter Schulen
Als Ende der siebziger Jahre die ersten Aussiedlerströme aus der damaligen Sowjetunion, Rumänien und Polen nach Deutschland kamen, wurden diese Jugendlichen mit einer mehr oder weniger fremden Kultur konfrontiert und hatten große Defizite im Wissensstand. Durch die Finanzierung von Nachhilfeunterricht (Einzel- und Gruppenunterricht) konnte die Stiftung in vielen Fällen helfen. Sie ermöglichte damit eine schnelle Integration in Schule und Gesellschaft, verbunden mit meist guten Schulabschlüssen. Ende der achtziger Jahre wurden Flüchtlings- und Asylantenkinder in den Gruppenunterricht mit aufgenommen. Zunehmende Arbeitslosigkeit und ein bildungsferne Mileu in sozial schwachen Elternhäusern erzwang nunmehr auch eine stärkere Beschäftigung mit deutschen Kindern. Ab 1993 konzentrierte sich die Stiftungsarbeit mehr und mehr auf Frankfurter Schulen.
Heute fördert die Stiftung allein nur Schülerinnen und Schüler an Frankfurter Schulen, die in sozialen Brennpunkten liegen, da die staatlichen Programme bei weitem nicht ausreichen, um diese Kinder und Jugendlichen ausreichend individuell zu betreuen und eine Integration in die Gesellschaft sicherzustellen.
Kennzeichnend für diese Schulen sind ein hoher Migrantenanteil, geringe soziale Infrastrukturen und soziale Monostrukturen. Oft trifft man auf bildungsfernes Elternschaften, Kinderreichtum, Suchtprobleme, Arbeitslosigkeit, die Ansammlung von gesellschaftlichen Randgruppen, einen hohen Anteil an Hartz IV Empfängern, unvollständige Familien und beengte Wohnverhältnisse.
Aufgrund der vielen herkunftsbedingten sozialen und kulturellen Unterschiede mangelt es meist an dem Rollenverständnis der Jungen und Mädchen in unserem Kulturkreis. Kommunikation und Interaktion der Schüler und Schülerinnen untereinander findet kaum statt.
Daneben spielt die häusliche Situation dieser Schüler und Schülerinnen allzuoft eine negative Rolle, da idR beide Elternteile bzw. bei Alleinerziehenden Mutter oder Vater berufstätig sind, finden die Schüler und Schülerinnen zu Hause kaum eine elterliche Betreuung vor. In einigen Stadtteilen halten sich die Schülerinnen und Schüler tagsüber auf der Straße auf, damit die Eltern schlafen können, abends sind diese Kinder sich selbst überlassen, weil die Eltern dann arbeiten. Ein positives Arbeitsverhalten kann insbesondere von den jüngeren Schülern und Schülerinnen nicht entwickelt werden. Neben der unzureichenden elterlichen Förderung bestehen oft auch nur geringe Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.
Bis heute hat die Peter Fuld Stiftung über 3,5 Mio. € für Unterrichtsstunden ausgegeben.
Konzeption
Zielgruppe sind Schüler und Schülerinnen mit kognitiven und sozialen Defiziten und Sprachproblemen.
Durch die Fördermaßnahmen will die Peter Fuld Stiftung Benachteiligungen von Kindern und Jugendlichen ausgleichen und deren soziale Integration fördern. Aufgrund des hohen Migrantenanteils stehen bei den Schülern und Schülerinnen die Probleme mit der deutschen Sprache an erster Stelle. Ohne die „minimale Beherrschung“ der deutschen Sprache lassen sich auch die übrigen Fächer, wie z. B. Mathematik, kaum unterrichten.
Die bestehenden Defizite werden von der Schule zwar erkannt, können aber mit eigenen Mitteln kaum behoben werden. Mangelnder schulischer Erfolg führt bei diesen Schülern und Schülerinnen innerhalb des Klassenverbandes schnell zur Ausgrenzung. Das Selbstwertgefühl des betroffenen Kindes schwindet, es wird aggressiv oder still und depressiv.
Fördergrundsätze
Die Grundsätze unseres Förderkonzeptes werden wie folgt definiert:
- Schulunterricht und Fördermaßnahme der Stiftung sind klar getrennt
- Förderbedarf (Defizite) und finanzielle Bedürftigkeit müssen bei allen Schülern und Schülerinnen gegeben sein
- die gesamte Planungs-, Organisations- und Verwaltungsarbeit wird von der Schulleitung übernommen
- die Schule stellt die Räumlichkeiten sowie die notwendigen Sachmittel (Kopien, Materialien, Bürobedarf etc.) zur Verfügung
- die Schulleitung sucht die Fuld-Lehrkräfte aus
- im Rahmen eines Budget kann die Schulleitung eigenverantwortlich den Unterricht organisieren
- der Förderunterricht der „Fuld-Lehrkräfte“ erfolgt in enger Absprache mit dem Klassenlehrer bzw. Fachlehrer
Das Konzept soll gewährleisten, dass die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Schule berücksichtigt werden und auf Veränderungen flexibel reagiert werden kann. Schwerpunkte unserer Arbeit sind im kognitiven Bereich der Abbau der Defizite in der deutschen Sprache und im sozialen Bereich das Verhaltenstraining sowie das Erlernen einer selbständigen Arbeitsorganisation.
Die Förderangebote werden von den Schulleitungen nach den schulspezifischen Gegebenheiten ausgearbeitet. Im einzelnen können je nach Bedarf angeboten werden:
- Förderunterricht in den Hauptfächern
- qualifizierte Hausaufgabenhilfe
- individuelle Fördermaßnahmen (Seiteneinsteiger)
- Lerntechniken
- Verhaltenstraining
Die Förderung erfolgt in Kleingruppen, die in der Regel zweimal wöchentlich unterricht werden, daneben gibt es größere Gruppen für qualifizierte Hausaufgabenhilfe sowie individuelle Einzelförderungen. Ein Unterricht in den Schulferien findet nicht statt.
Teilnehmende Schulen
Grund-/Haupt- Realschule | Unterliederbach | |
Grund-/Haupt- Realschule | Fechenheim | |
Haupt- und Realschule | Sossenheim | |
Integrierte Gesamtschule mit Grundstufe | Bockenheim | |
Realschule | Sachsenhausen | |
Grundschule | Sachsenhausen | |
Grundschule | Gallus | |
Realschule | Gallus | |
Grund-/Hauptschule | Hoechst |
Seit Anfang der 90er Jahre hat die Peter Fuld Stiftung 1,6 Mio. € für Nachhilfeunterricht und Hausaufgabenbetreuung an Frankfurter Schulen ausgegeben.
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